Mein Name ist Arthur Schnatter, ich bin Jahrgang 60 und seit meinem 4. Lebensjahr insulinpflichtiger Diabetiker.Nach meiner Ausbildung zum Kraftfahrzeugschlosser konnte ich nur wenige Jahre in meinem Beruf arbeiten, da schon im März 1981 die diabetische Renopathie begann. Nach mehreren Augenoperationen bin ich seit dem 07.07.1982 völlig erblindet.
Es folgten berufliche Rehamaßnahmen mit Umschulung zum Telefonisten im Berufsförderungswerk Düren. Anschließend arbeitete ich mehrere Jahre als Angestellter bei der Post im Vermittlingsdienst.
Die schleichende Niereninsuffizienz die mit dem Diabetes einhergeht, führte auch zu starken seelischen Belastungen.
Aufgrund von diabetischer Niereninsuffizienz wurde ich am 01.09.86 dialysepflichtig. Dreimal wöchentlich 5 Stunden Dialyse im Zentrum waren angesagt.
Trotz der Einschränkungen durch die Dialysezeit und meiner Erblindung stellte ich fest, dass das Leben noch lebenswert ist. Meine Lebenfreude kam zurück und ich nahm wieder aktiver am Leben teil. Dies habe ich in erheblichem Maße meiner lieben Frau zu verdanken, die in all den Jahren immer treu und tapfer zu mir stand.
Die Dialysezeit war nicht immer unproblematisch. In der Anfangszeit hatte ich Lungenödeme und ein Jahr nach Beginn der Dialyse ein subturales Hämatom (Blutung auf der Hirnaußenrinde), das erfolgreich in der Uniklinik Mainz operiert werden konnte. Was für mich auch immer ein kleines/großes Problem war, war die vorgeschriebene Trinkmenge (wie sicher bei vielen Patienten) besonders am Wochenende. Wenn ich mal wieder zuviel Pfälzer Wurst und Käse zu mir nahm, machte mir auch der Juckreiz zu schaffen.
Um der lästigen Trinkbeschränkung von 700 ml /24 h entgültig ade zu sagen, gab es nur einen Ausweg, und der hieß Transplantation. Nach mehrere Gesprächen mit meinem damaligen Nephrologen stimmte der einer möglichen Transplantation zu und leitete alle notwendigen Maßnahmen in die Wege. Nach einer Vorstellung bei Prof. Willems (Leiter der Transplantchirugie) der Uniklink Freiburg war dieser bereit, mich zu transplantieren. Nach zahlreichen Voruntersuchungen, um mögliche Infektionsherde auszuschließen, wurde ich im März 1989 bei Eurotransplant gemeldet.
In den letzten heißen Tagen des Juli 91 hatte ich eine Vorahnung, dass bald der langersehnte Anruf von Freiburg kommt. Aus diesem Grund habe ich in diesen Tagen auf Freizeitaktivitäten ausser Haus verzichtet. In der Dialyse hatte ich am Nachmittag des 30. Juli 91 mit meiner Mitpatientin, die bereits eine Transplantation hinter sich hatte, ein Gespräch über die Geschehnisse unmittelbar vor der Transplantation. Dieses Gespräch hat mich so sehr beschäftigt, dass ich es im Traum nochmal durchlebte. Und wie es der Teufel will, kam in der Nacht vom 31.Juli auf den 1. August 1991 gegen 3:30 h der Anruf vom damaligen Dialysezentrum zur Tranplantation. Nach Eintreffen um 6:30 h in Freiburg bekam ich noch ein Frühstück und wurde 4 Stunden dialysiert. Anschließend kamen die Voruntersuchungen durch den Anäthesisten und gegen 16:10 h wurde die Vorbereitung zur Narkose getroffen. Ab hier war ich geistig abwesend. Gegen 18:15 h war die Transplantation abgeschlossen. Nach kurzer Zeit auf der Wachstation kam ich zurück auf die Transplantstation, wo ich gegen 22:00 h aufwachte. Ich machte mich bemerkbar, da ich großen Durst hatte. Da ich zugleich auch einen zu niedrigen Blutzuckerspiegel hatte, überreichte mir die Nachtschwester, zu meiner großen Freude, einen halben Liter Apfelsaftschorle. Als Dialysepatient war ich gewohnt nur kleine Mengen zu trinken, daher war es für mich ungewöhnlich, dass die Schwester mich aufforderte das Glas leer zu trinken. Kaum hatte sie es ausgesprochen, war das Glas auch schon leer.
Nachdem der Katheder gezogen wurde und ich wieder normal (nach fünf Jahren) Wasser lassen konnte, habe ich vor Glück geweint. In dem 6-wöchigen Klinikaufenthalt gab es eine Abstoßung, die man jedoch sehr schnell in den Griff bekam. Nach sieben Jahren kam es zu einer weiteren Abstoßungserscheinung, diese konnte auch behoben werden, so dass ich bis heute ein angenehmes Leben führen kann. Nachdem ich wieder ohne Einschränkungen schöne Reisen und sonstige Aktivitäten mit meiner Frau unternehmen konnte, traf mich im Februar 1996 ein weiterer schwerer Schicksalsschlag. Meine Frau verstarb plötzlich und unerwartet an den Folgen eines Aortaaneurismas.
Da ich nun alleine war, musste ich mein Leben neu organisieren. Jetzt hatte ich die Wahl entweder mein weiteres Leben im Wohnheim für Blinde und Sehbehinderte zu verbringen oder alleine zu leben in unserer bisherigen, mir vertrauten Wohnung. Ich entschied mich für die Wohnung und stellte mich der Herausforderung, die Dinge des täglichen Lebens, die Schwierigkeiten, die jetzt auf mich zu kommen, alleine zu bewältigen. Durch die Hilfe von Verwandten, Freunden und Bekannten wurde ich in den darauffolgenden Monaten und Jahren immer sicherer und selbständiger. Es war nicht immer einfach, aber ich habe es geschafft und darauf bin ich stolz. Diesen Schritt würde ich jederzeit wieder gehen.
Bei den Indianer gibt es eine Lebensweisheit, die da heißt „Manitu hat dir ein Gesicht geschenkt, doch lachen mußt du selbst“. Diese Worte gaben mir immer die Kraft, trotz vieler Schicksalsschlägen immer wieder nach vorne zu schauen.
Arthur Schnatter
Tel.: 07276-6442